Fratelli Marangi – FC Juventus Capri

Es begann im Frühjahr 1969. In einem verrauchten Zimmer am Ende einer grauen Gerberau. Das „Capri“ war die erste Adresse der italienischen Arbeiter und oben im damaligen Billiardraum gründeten vier Marangi-Brüder, Sedicino, Limone, die Sarcoli-Brüder und Marino den Freiburger Ableger der italienischen Nummer 1 im Fussball, Juventus Turin. Der Capri-Wirt war an der Taufe des Fußballvereins auch beteiligt und so hieß der erste „Gastarbeiter“-Club Freiburgs zu Anfang offiziell: Juventus Capri.

In der ersten Saison gab es nur Auswärtspiele, denn einen „Heimplatz“ hatte Juventus nicht. Trainiert wurde – nach Feierabend – auf der Sternwaldwiese in der Wiehre. Das Scheinwerfer-Flutlicht“ organisierte der spätere KFZ-Meister und Juventus Präsident Luigi Marangi: „mindestens ein Auto musste zum Batterie überbrücken verschont werden“.

Den – im Nachhinein – „goldenen Jahren“ auf dem Fußballplatz kurz vor der „Müllkippe“ am Eichelbuck (etwa Mitte 1970 bis ca. 1986, gemeinsam genutzt mit dem FC Jugoslavija) folgte der Heimplatz auf dem „Franzosen-Platz“ am Flugplatz, denn die sich auflösende Mannschaft französischer Soldaten „FC Français“ (!) hatte mit Juventus fusioniert. 1994 gab es noch eine Fusion: SG Weingarten-Juventus und einen neuen Platz im Dietenbachpark, Weingarten. Trotzdem: kurze Zeit später war Schluss.

 

Die erste und noch heute größte Gruppe der „Generation Gastarbeiter“ in Freiburg kommt aus Italien. Die Marangi-Brüder werden von den deutschen Fußballvereinen nicht akzeptiert und gründen 1968 im Cafe Capri eine der ersten Migrantenselbstorganisationen in Freiburg, den FC Juventus Capri.

 

Das Mannschafts-Foto zeigt die technisch und strategisch hervorragende Juventus-Mannschaft Mitte der 1980er, genauer gesagt, den FC Français – Juventus, etwa im Jahr 1987, eine italienisch-deutsch-türkisch-portugiesisch-französische Koproduktion.

Lococo – Zöschk – Stein – Tüten – Roberto – Cerchia – Piccino – Lang

Pfirsing – Maggiore – Totoro – Stallone – Limone – Marangi, Luigi –

und Marangi, Guiseppe (Gründungsmitglied und „Seele“ von Juventus)

 

 

Das Cafe Capri

von 11 – 18 Uhr gibt es Klassik, von 19 Uhr bis Schluss Jazz zu hören“ – so lautet die 37 Jahre alte Regel von Umberto und Giorgio Soavi, die am 1. Oktober 1983, ziemlich unvorbereitet  – „wir hatten keine Ahnung vom Geschäft“, Umberto – eine Freiburger Institution mit Espresso ins Leben riefen.

Umberto kam 1974 zum Studieren von Milano nach Freiburg und fühlte sich schon als Gast im Capri wohl. Als er mit seinem Bruder Giorgio das Gesamtkunstwerk Cafe Capri startete, musste als eine der ersten Aktionen der Billiardtisch den Platz im Obergeschoss räumen, um zeitungslesenden Gästen, Freunden des gepflegten Schachspiels, live Musik von Solisten und Bands wie Sessions von Giorgio am Klavier Raum zu geben. Das Eis gabs am Fenster, in guter Qualität und ohne Mode-Schnick-Schnack, also Vanille, Schokolade, Banane, Nuss – Konzentration aufs Wesentliche.

Bevor der italienische Vorbesitzer das Cafe Capri 1967 gegründet hatte war die „Pfandleihe“ der Grund für den Besuch in der Gerberau 30. Das Einlösen von Eigenem für Bares blieb der Adresse noch länger erhalten, aber, einbruchsicherer, im hinteren Teil des Gebäudes.

Und davor? Ein Standort für Fahrradkuriere oder wie es vor über 100 Jahren genannt wurde: Eilboten-Institut „FIX“, Telefon 1366, Gerberau 30.